Tantra

Den Körper mit allen Sinnen erleben

Es gibt viele  verschiedene Richtungen des Tantra und mindestens ebenso viele Missverständnisse, worum es sich dabei wirklich handelt. Für die einen ist Tantra eine Art Religion, für andere eine Lebenseinstellung oder einfach eine Massagetechnik.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Tantra im Sanskrit ist Gewebe, Zusammenhang, Erweiterung oder Ausdehnung. Demnach beschreibt es eher eine innere Haltung, eine Lebensweisheit. Und obgleich viele meinen, es drehe sich bei der tantrischen Berührung speziell um Sex, geht es vielmehr um ganzheitliche Lust. Dafür wird die sogenannte Kundalini-Energie geweckt und aufgebaut. Ihr zuliebe verzichten Tantriker oft auf den klassischen Höhepunkt. Das Ziel ist, die aufgebaute sexuelle Energie dadurch zu halten und beim nächsten Mal erneut zu spüren und vielleicht sogar noch zu erhöhen. Wie wäre es zum Beispiel, Sex zu haben und den Höhepunkt auszulassen, mit voller Erektion und erregter Vulvina aus dem Bett zu steigen und das Ganze für ein paar Tage oder Wochen durchzuführen? Die Belohnung sollte mehr Freude, Energie und Kraft sein und vielleicht ist da tatsächlich etwas dran, wenn man bedenkt, wie viele nach ihrem sexuellen Höhepunkt erschöpft einschlafen.

In den tantrischen Lehren geht es darum, Körper und Leben mit allen Sinnen und in allen Aspekten zu genießen, anzunehmen und zu feiern. Während in vielen Religionen Spiritualität und Eros streng voneinander getrennt werden, verweist die tantrische Lehre auf die ursprüngliche Verbundenheit von Bewusstheit, Lust und Liebe. Es geht nicht darum, mühevoll nach Erleuchtung zu streben, sondern die eigene Vollkommenheit zu erkennen, wie sie schon vorhanden ist. Der Augenblick spielt dabei eine zentrale Rolle: Jeder Moment wird wach und klar mit allen Sinnen erlebt, ohne bewertet zu werden. So entsteht Größeres, weil Anspannung, Urteile und Meinungen verschwinden.

Tantra lehrt, die sexuelle Erlebnisfähigkeit präsenter und umfassender zu genießen. Neue Ebenen der Leidenschaft und Ekstase sind oft die spannenden und wohltuenden Folgen. Tantrischer Sex ist Energiearbeit und steht damit im Gegensatz zum Rein-raus-Sex, den viele praktizieren. Stattdessen darf Sex sein, was er immer schon war: sinnlich-übersinnlich, lustvoll und irgendwie auch magisch.